Stade Vélodrome - Panorama

Kampf um die Königsklasse im Stade Vélodrome, Marseille

Wahrzeichen und Stadion-Ikone – das Stade Vélodrome

Marseille – die zweitgrößte Stadt Frankreichs ist wahrscheinlich nicht der erste Ort, der einem für einen Städtetrip nach Frankreich einfällt. Sollte sie aber – denn die schöne Hafenstadt besticht durch den rauen, aber herzlichen Charme einer Seemannsbraut und überzeugt mit günstigen Preisen. Für Groundhopper ein absoluter Wallfahrtsort, denn hier steht eines der architektonisch herausragendsten Meisterwerke des Stadionbaus: Das Stade Vélodrome.

Wie eine weiße Welle schwappt das Stadion von Olympique Marseille inmitten der pulsierenden Metropole zwischen den anderen Bauten hindurch. Von jedem höheren Aussichtspunkt der Stadt sticht das Stade Vélodrome unverkennbar als zweites Wahrzeichen neben der Kirche Notre-Dame de la Garde hervor, die auf einem Hügel 161m über der Stadt thront. Von hier hat man den besten Blick auf das Stadion und kann die schöne Aussicht auf den Hafen und das Meer genießen.

Bevor es am Sonntagabend zum Topspiel der Ligue 1 gegen den Rivalen aus Lyon ging, nutzten wir den Samstag um die Kulturhauptstadt von 2013 zu erkunden. Durch den lebendigen Trubel auf dem Fischmarkt kämpften wir uns langsam am Hafen und dem alten Rathaus entlang zum 2013 erbauten „Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers“ vor. Das MuCEM zählt schon jetzt zu den 50 meistbesuchten Museen der Welt und besticht durch seine extravagante Optik. Die Dachterrasse lädt bei gutem Wetter zum Sonnenbaden ein und von dort gelangt man über eine Betonbrücke direkt zum Fort Saint-Jean im alten Hafen.

Den Sonnenuntergang sollte man vom Palais du Pharo aus erleben, wenn sich die warme Abendsonne auf die hunderten Segelmasten im alten Hafen und das filigrane Betonnetz des MuCEM legt. Auf dem Rückweg kann man in einem der vielen Hafenbars bei einem Bier den Tag ausklingen lassen. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, dem können wir einen Tagesausflug in den Calanques National Park mit seinen steilen Felsküsten und den türkisen Buchten empfehlen.

Stade Vélodrome, Marseille - Luftaufnahme

Kampf um die Königsklasse

Kaum ein anderer Fußballverein oder ein anderes Stadion bieten den Einheimischen so einen hohen Identifikationsfaktor. Olympique Marseille und das Stade Vélodrome sind die Seele von Marseille – hier verschmelzen die vielen Kulturen, die in der Stadt aufeinandertreffen und vereinen sich bei den Heimspielen zu einer brodelnden Masse, die bedingungslos hinter Ihrer Mannschaft steht.

Schon vor dem Topspiel der Tabellennachbarn (3. gegen 4.) wurde auf der Straße vor dem Stade Vélodrome das Feuer eröffnet – mit Bengalos versteht sich. Da keine Auswärtsfans zu der Partie zugelassen waren, konnten die Anhänger von Olympique Marseille in aller Ruhe ihr Feuerwerk abfackeln, ohne dass man Zusammenstöße zwischen zweier Fan-Parteien befürchten musste. Die Atmosphäre war positiv aufgeheizt, aber zu jederzeit absolut friedlich.

Beim Einlass hallten die Sprechchöre aus dem Stadion bereits quer über den von Feuerwerkskörpern erleuchteten Vorplatz. Auf den Tribünen des Stade Vélodrome wurde jetzt schon gefeiert als ob man das Spiel bereits gewonnen hätte. Immerhin ging es an dem Abend um nichts weniger als den Einzug in die Königsklasse des europäischen Fußballs. Für Marseille galt es einen 5 Punktevorsprung auf Lyon zu verteidigen, um nächstes Jahr in der Champions League spielen zu dürfen. Nicht nur die Voraussetzungen versprachen einiges – es sollte tatsächlich ein berauschender Fußballabend werden…

Stade Vélodrome Choreo - Olympique Marseille - Olympique Lyon

Choreos und Rauchschwaden im weißen Tempel von Marseille

Beim Einlaufen der Mannschaften zeigten die Fans im Stade Vélodrome auf gleich drei Tribünen einzigartige Choreographien in hellblau und weiß. Gleichzeitig regnete es am einen Ende Konfettis und am anderen Ende wurden Rauchbomben in den Vereinsfarben gezündet. Kurz vor Anpfiff lagen dichte Rauchschwaden über dem Spielfeld, aus mehreren Richtungen waren Böllerschläge zu hören und die Schlachtrufe hallten quer durch das Stadion. Gänsehaut!

Auch das Spiel selber sollte ein spannender Schlagabtausch zwischen den französischen Top-Teams werden. Nach der Führung der Heimmannschaft aus Marseille, die das Stade Vélodrome fast zum explodieren brachte, folgte ein Eigentor zum Ausgleich. In der zweiten halbzeit schaffte es Olympique Lyon sogar das Spiel zu drehen, bevor Mitroglou 6 Minuten vor Ende den Ausgleich erzielte. Wieder stand das Stadion Kopf und die Fans versuchten Ihr Team doch noch zum Sieg zu peitschen. Es war allerding Memphis Depay, der in der allerletzten Minute das Spiel mit 2:3 für die Gäste aus Lyon entschied und damit das Rennen um die Champions League wieder spannend machte.

Rudelbildung nach Spielende und eine handfeste Auseinandersetzung am Eingang des Spielertunnels komplettierte diesen spektakulären und ereignisreichen Fußballabend.

Fans vor dem Stade Vélodrome, Marseille

Fazit

Andere Städte entschließen sich heutzutage oft für einen Stadionneubau außerhalb des Stadtgebietes, um möglichst kosteneffiziente aber meist auch charakterlose Multifunktionsarenen zu errichten. Marseille hat im Vorfeld der Europameisterschaft 2016 den Mythos Stade Vélodrome weiter ausgebaut. Mit der strahlend weißen Außenhaut, die das wellenförmige Tragwerk überspannt, haben die Architekten ein weiteres Wahrzeichen für die Stadt erschaffen. Das 67.000 Plätze fassende Stadion ist mittlerweile das zweitgrößte des Landes und zählt für uns von Optik und Atmosphäre zu den absoluten Highlights in Europa. Ein Muss für jeden Groundhopper und Fußballfan!

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