Special One vs Normal One

„Special One“ vs „Normal One“ – Showdown an der Stamford Bridge

„Special One“ vs „Normal One“ und ein 6er im Lotto

Der eigentliche Grund der Groundhopping-Reise nach London war das NFL Sonntagsspiel zwischen den Kansas City Chiefs und den Detroid Lions. Es war eines von drei Spielen, welches die amerikanische Football Profiliga auch in diesem Jahr im Rahmen der NFL International Series wieder in das Wembley Stadion nach London ausgelagert hatte. Doch das eigentliche Highlight sollte an der Stamford Bridge stattfinden.

Ich kam am Samstag morgen um 9 Uhr in Heathrow an, um mich am Nachmittag mit einem Freund zu treffen, mit dem ich das NFL Wochenende geplant hatte. Ich hatte also noch Zeit einen Abstecher zur Stamford Bridge zu machen um die Atmosphäre vor dem schon seit Tagen in den Medien groß angekündigten Duell zwischen “The Special One” (José Mourinho) und “The Normal One” (Jürgen Klopp) aufzuschnappen. Anpfiff des Spiels zwischen FC Chelsea und Liverpool FC war um 12:45 Uhr und praktischerweise lag unser Hotel in Kensington nur zwei U-Bahn Stationen entfernt.

Gut zwei Jahre zuvor hatte ich mir an gleicher Stelle bereits das Spiel Chelsea gegen Swansea angeschaut. Da es unmöglich ist auf regulärem Wege Tickets für die “Blues” zu bekommen, musste ich damals meine Karte über eine Online Agentur aus Deutschland beziehen, welche mich 150 Euro gekostet hatte.

Schon auf dem Weg vom Hotel zum Stadion hat es wieder gekribbelt. “Soll ich zuschlagen, wenn mir vor dem Stadion Karten zu horrenden Schwarzmarktpreisen Karten angeboten werden, die vielleicht sogar gefälscht sein könnten?”. Ich hatte mir schon im Kopf eine Budgetgrenze gesetzt und ausgerechnet, an welchen Ecken ich in den nächsten Wochen sparen könnte. Den Gedanken verwarf ich sofort wieder als ich am Stadion ausstieg und die riesigen Plakate sah, auf denen in mehreren Sprachen ausdrücklich vor Schwarzmarkthändlern gewarnt wurde. Zudem stand überall berittene Polizei, sodass es eigentlich unmöglich war einen Kartendeal durchzuführen.

Chelsea - Liverpool, Stamford Bridge

Ich lief die Straße vor dem Stadion auf und ab, machte ein paar Fotos und bedauerte an diesem sonnigen, perfekten Fußballsamstag das Topspiel der Premier League doch nur im Pub schauen zu dürfen. Auf dem Rückweg zur U-Bahn lief zweimal ein kleiner glatzköpfiger Mann an mir vorbei der irgendetwas von “Sell tickets” murmelte. Das erste Mal ließ ich ihn noch passieren, das zweite Mal musste ich einfach nachfragen ob er Karten verkaufen wolle. Er zog sofort zwei Dauerkarten aus seiner Tasche und erklärte, dass sein Sohn keine Zeit hatte ihn zum heutigen Spiel zu begleiten. Er bot mir die Karte zum regulären Preis an, da er kein Geld damit machen sondern nur die Kosten decken möchte. Ich solle ihn ins Stadion begleiten und könne ihm die 60 Pfund dann auf den Rängen geben. Ein 6er im Lotto!! So einen Glückstreffer hatte ich auf meinen Fußballreisen noch nie gelandet. Gut, dass ich mich am Flughafen noch kurzfristig entschlossen hatte Bargeld abzuheben…

Showdown an der Stamford Bridge

Der Einlass klappte reibungslos, die Geldübergabe ebenfalls. Die Plätze lagen hervorragend im oberen Teil des East Stands (Längsseite des Stadions gegenüber der Haupttribühne) mit direktem Blick auf die beiden Star-Trainer, die von Anfang an hochmotiviert am Spielfeldrand auf- und abliefen.

Die Stimmung der Chelseafans war schon wie bei meinem letzten Besuch der Stamford Bridge mäßig. Ab und an stimmten die Fans aufmunternde Sprechchöre für ihren in der Kritik stehenden Trainer José Mourinho an. Ansonsten blieb es trotz früher Führung Chelseas in den blauen Bereichen des Stadions sehr ruhig. Die erste Hälfte war auch spielerisch bis zum sehenswerten Ausgleich von Courtinho in der Nachspielzeit eher “normal” als “special”.

Im zweiten Durchgang nahm das Spiel dann Fahrt auf. Chelsea zog sich in die eigene Hälfte zurück und Liverpool drängte auf die Führung. Auch die Liverpool Fans waren nun nicht mehr zu halten. Dem 1:2 durch Courtinho folgte der verdiente 1:3 Endstand durch Benteke. Die rote Ecke – sehr gut von meinem Platz aus zu sehen und zu hören – kochte! “You´ll never walk alone” schallte es minutenlang aus dem Block der mitgereisten Anhänger von der Merseyside. Jürgen Klopp hatte seinen ersten Sieg in der Premier League eingefahren und ich hatte einen unvergesslichen Fußballnachmittag erlebt.

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