Regenboogstadion Panorama, SV Zulte Waregem

4 Spiele in 2 Tagen – Groundhopping in Belgien und Frankreich

Ein Fußball-Wochenende mit Jubiläum

Bisher hatten wir Fußballspiele in 19 verschiedenen Nationen gesehen. Für unseren 20. Länderpunkt haben wir uns für eine Fußballreise in das Nachbarland Belgien entschieden. Neben den vielen Bier-Spezialitäten, hervorragender Schokolade und leckeren Waffeln gibt es in der Jupiler Pro League für Groundhopper aber auch attraktiven Erstliga-Fußball zu sehen. Und als Sahnehäubchen besuchten wir dann noch das Topspiel der französischen Ligue 1 zwischen dem OSC Lille und Montpellier HSC, direkt hinter der belgischen Grenze.

Kleines Land und kurze Wege

Belgien bietet aufgrund seiner Größe für Groundhopper beste Bedingungen. Die Stadien sind oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt und so ist es im besten Fall möglich zwei Spiele innerhalb von vier Stunden zu sehen.

Wir sind mit dem Auto in den Westen von Belgien gefahren und haben folgende Stationen besucht:

Die vier Stadien liegen alle auf einer Achse mit einer Gesamtstrecke von gerade einmal gut 50km.

Gent – die Perle in Flandern

Da das erste Spiel erst abends in Kortrijk anstand, hatten wir noch genügend Zeit um einen Sightseeing-Stop in der Stadt Gent zu machen. Ein Ort, den wir ohne unsere Fußballreise nach Belgien wahrscheinlich nie angesteuert hätten. Man weiß eigentlich gar nicht, wo man in dieser wunderschönen Stadt zuerst hinschauen soll.

Die Kamera sollte man immer griffbereit haben, wenn man durch die historischen Gassen an den mittelalterlichen Häuserfassaden vorbei über die zahlreichen Brücken schlendert. An jeder Ecke erwarten einen die berühmten Chocolaterien, kleine Cafés und gemütliche Restaurants. Und plötzlich steht man mitten in der Altstadt vor der mächtigen Grafenburg, einer der größten Wasserburgen Europas. Den wohl prächtigsten Blick hat man von der St.-Michael-Brücke aus – spätestens jetzt weiß man warum Gent “die stolze Stadt” genannt wird. Auch ohne Fußballspiel ein absolutes Highlight unserer Reise!

Gent - St.-Michael-Brücke

Kortrijk und Waregem

Gegen Nachmittag fuhren wir dann zu unserem ersten Abendspiel, welches um 18:00 angepfiffen werden sollte. Im Guldensporenstadion standen sich die Tabellennachbarn KV Kortrijk (9.) und RC Sporting Charleroi (10.) gegenüber. Das kompakte, kleine Stadion erinnerte uns gleich an den Griffin Park in Brentford, London. Generell kann man sagen, dass die belgischen Fußballstadien den englischen oft sehr ähneln.

Wir hatten uns Stehplatztickets für 14€ besorgt und standen mitten im Block der Heimfans. Während des Spiel konnten wir uns frei bewegen und sogar die meiste Zeit direkt an der Bande am Spielfeldrand neben der Eckfahne verbringen.

Das Spielniveau war überraschend gut und wir sahen ein chancenreiches Spiel mit vielen Torraumszenen auf unserer Seite. Nur den Last-Minute Sieg in der Nachspielzeit von Sporting Charleroi haben wir leider verpasst, da wir aufgrund des nächsten Spiels schon früher das Stadion verlassen mussten.

Ca. 18km entfernt liegt an einem kleinen See das Regenboogstadion in Waregem. Hier fand um 20:00 Uhr das zweite Spiel des Abends zwischen SV Zulte Waregem und VV St. Truiden statt. Das Stadion ist ein ziemlicher Flickenteppich mit unterschiedlich hohen Tribünen – eine Mischung aus englischem Fußball- und amerikanischem Baseball-Stadion. Aber auf seine Art einzigartig und durchaus interessant.

Wir hatten diesmal Sitzplätze für 18€ in der 4. Reihe der Längsseite gebucht und saßen direkt hinter den Trainerbänken. Die Sicht aufs Spielfeld war somit mäßig, aber wir hatten einen tollen Blick auf die steile Tribüne der Heimfans, die richtig gut Stimmung machten. Auch im Regenboogstadion konnten wir uns frei bewegen und so begaben wir uns in der zweiten Halbzeit in den Oberrang, ohne dass unser Ticket dort kontrolliert wurde.

Von hier aus sahen wir erneut ein offenes Spiel in dem es hin und her ging. Wäre die Chancenverwertung besser gewesen, hätte es am Ende 5:5 stehen können. So blieb es jedoch bei einem gerechten 1:1 Unentschieden. Und insgesamt war die Stimmung bei dieser Begegnung deutlich besser.

Guldensporenstadion Fanblock - KV Kortrijk, Belgien

Abstecher nach Frankreich

Direkt nach dem Spiel fuhren wir wieder zurück Richtung Kortrijk und weiter über die Grenze ins französische Lille. Nachdem wir für 68€ im Ibis Lille Centre Grand Palais eingecheckt hatten, gingen wir noch in die kultige Bar La Capsule, um uns durch die vielen verschiedenen, frisch gezapften Biersorten zu testen. Ein gelungener Abschluss des ersten Tages unserer Fußballreise.

Den Sonntagvormittag nutzen wir um uns die sehenswerte Altstadt von Lille anzuschauen und ausgiebig zu frühstücken. Danach fuhren wir zum Stade Pierre-Mauroy, welches 2012 eröffnet wurde und über ein verschließbares Dach verfügt. Hier fanden insgesamt sechs Spiele der Fußball-EM 2016 statt – darunter zwei der deutschen Nationalmannschaft.

Das Stadion überzeugt durch seine luftig leichte Strebenkonstruktion und erinnert an ein modernes Einkaufszentrum. Von den oberen Zugangsbereichen im Stadion hat man so einen schönen Blick auf die Stadt. Auch im Inneren bietet das Stadion höchsten Komfort und beste Sicht von allen Sitzreihen. Für einen guten Platz in der Ecke des Oberrangs zahlten wir preiswerte 22€ pro Person.

Aufgrund der Tabellensituation der beiden Teams (Zweiter gegen Fünfter) erwarteten wir das Kracherspiel unseres Trips. Die knapp 40.000 Zuschauer im Stade Pierre-Mauroy waren ebenfalls voller Vorfreude. Beide Sturmreihen starben jedoch den absoluten Chancentod und am Ende war es das enttäuschendste unserer Spiele, welches folgerichtig nur torlos ausgehen konnte.

Stade Pierre-Mauroy, OSC Lille - Frankreich

Zugabe in Mouscron

Diese Enttäuschung konnten wir nicht auf uns sitzen lassen und so wollten wir unsere Fußballreise nach Belgien und Frankreich nicht enden lassen. Erneut checkten wir unsere Groundhopping-App und entschieden uns das vierte Spiel innerhalb von zwei Tagen zu besuchen. Wir fuhren wieder zurück über die Grenze nach Belgien zum Abendspiel der Jupiler Pro League im Stade Le Canonnier in Mouscron. Royal Excelsior Mouscron empfing dort unter Flutlicht Cercle Brügge.

Auch dieses belgische Stadion inmitten einer Wohngegend erinnerte uns wieder sehr an unsere Fußballreisen nach Nordengland. Weil wir vor Spielbeginn noch Zeit totschlagen mussten, schlenderten wir auf der Suche nach etwas zu Essen durch die tristen und leeren Straßenzüge mit den typischen Klinkerhäusern. Weit und breit kein Mensch – geschweige denn ein Restaurant. Das einzige Geräusch waren die Rollläden, die nach und nach geschlossen wurden. Also endeten wir in einer Eckkneipe in der Nähe des Stadions, in der es leider kein Essen aber immerhin gutes Bier gab.

Nach sehr langer Zeit kauften wir uns mal wieder Eintrittskarten an der Tageskasse. Da die Spiele in Belgien oft nicht ausverkauft sind, also gar kein Problem. Für 14€ bekamen wir wieder Stehplatz-Tickets im Fanblock. Der Hunger wurde mit einem leckeren Burger gestillt und danach ging es an mehreren Vorgärten vorbei, die direkt an die Stadiontribüne angrenzen.

Schräg hinter dem Tor, direkt am Spielfeldrand verfolgten wir unser letztes Flutlichtspiel dieser anstrengenden, aber sehr erlebnisreichen Groundhopping-Reise nach Belgien und Frankreich. Das Heimteam schenkte uns zum Abschluss nochmal drei Tore auf unserer Seite. So konnten wir mit 4 Spielen in zwei Tagen einen eigenen Rekord aufstellen und auf unseren 20. Länderpunkt anstoßen.

Was einen beim Groundhopping in Belgien erwartet:

  • Kurze Distanzen zwischen den Spielstätten
  • Günstige Ticketpreise
  • Oft kleine Stadien, in denen man direkt am Spielfeldrand stehen oder sitzen kann
  • Eine riesen Auswahl an Bier
  • Stadien leider meist nicht ausverkauft

Stade Le Canonnier, Royal Excelsior Mouscron - Belgien

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