Parkstad Limburg Stadion, Kerkrade

Parkstad-Limburg Stadion, Kerkrade – Stadion top, Spiel flop

Zwei Merkmale der niederländischen Fußballschule: Eine grazile Technik und das klassische 4-3-3 System in sehr offensivem Spielstil ausgelegt – ganz nach der Philosophie der gerade verstorbenen Fußballlegende Johan Cruyff. Diese beiden Attribute versprachen wir uns ansatzweise von unserem Groundhopping-Nachmittag im Parkstad-Limburg Stadion von Kerkrade – die Heimstätte des niederländischen Erstligisten Roda JC Kerkrade. Kurz und knapp: Fußballerisch wurden wir auf ganzer Linie enttäuscht!

Ein sehr guter Freund und langjähriger Trainerkollege ist Niederländer und stammt aus Kerkrade. Ein kurzes Telefonat in die Heimat, und schon waren zwei Tickets für das Spiel gegen den SC Heerenveen sicher. Nach einem Vorbereitungsturnier in Amsterdam vor etlichen Jahren, meine zweite Stadionerfahrung in den Niederlanden.

Anreise

Über die A4 aus Richtung Köln kommend, ist man hinter Aachen (direkt auf niederländischer Seite) schnell in Kerkrade. Das Parkstad-Limburg Stadion befindet sich nur ca. 5 Minuten von der Autobahnabfahrt. Verkehrstechnisch also optimal gelegen.

Wir parkten in einer Seitenstraße, von wo aus man fußläufig in 10 Minuten am Stadion von Roda JC Kerkrade war. Auch nach dem Spiel waren wir hier innerhalb von ein paar Minuten wieder auf der Autobahn. Vor dem Stadion selbst gibt es große Parkplätze. Hier braucht man aber nach Spielende ein bißchen Geduld, um wieder in Richtung Heimat zu gelangen.

Parkstad Limburg Stadion, Kerkrade

Das Parkstad-Limburg Stadion

Das im Jahr 2000 eröffnete Parkstad-Limburg Stadion bietet eine Zuschauerkapazität von knapp 20.000 und ist somit ein relativ kleines Stadion. Da die Sitze im Stadion in den Vereinsfarben Gelb-Schwarz getaucht sind, ähnelt das Rund ein wenig dem Aachener Tivoli. Zur Alemania hat Roda im übrigen eine sehr enge Freundschaft. Das Stadion des Pokalsiegers von 1997 und 2000 ist von außen mit einer glatten Backsteinfassade versehen, die einigen englischen Stadien ähnelt. So fühlte ich mich beispielsweise direkt an The Hawthorns von West Brom Albion erinnert. Architektonisch betrachtet ragen die vier Flutlichtmasten aus zeltähnlichen Dachkonstruktionen hervor. Sehr gelungen!

Obwohl sich unsere Plätze auf der Haupttribüne im “Oberrang” befanden, hatten wir eine perfekte Sicht auf das Spielgeschehen. Zu unserem Vorteil saßen wir auch fast auf Höhe der Mittellinie. Und das für nur 20 Euro pro Ticket. In dieser Hinsicht kann der ein oder andere englische Championship-Verein mal über den Ärmelkanal schauen. Gespielt wird seit dem Jahr 2014 auf Kunstrasen. Dies, so mein Kollege, mit der Begründung der Kostenreduzierung. Es gibt in der Eredivisie aber mehrere Vereine, die auf dem künstlichen Gras spielen.

Vor dem Spiel darf in Holland natürlich eins nicht fehlen: Frietjes speciaal – Leckere Pommes mit viel Majo, Ketchup und Zwiebeln!

Roda Kerkrade vs. SC Heerenveen

Das Spiel ist schnell erzählt: Im mit etwas mehr als 15.000 Zuschauern besetzten Stadtion boten weder Roda noch der Gast und Tabellennachbar (14. gegen 13.) aus dem hohen Norden des Landes in der ersten Halbzeit annähernd etwas von den oben beschriebenen Merkmalen der niederländischen Fußballkunst. Da wir eine Begegnung aus dem unteren Tabellendrittel sahen, war uns vorher klar, dass wir nicht die große Ajax-Schule aus den 90er Jahren bewundern konnten. Aber mit so wenig Technik, Taktik und Leidenschaft hätten wir auch nicht gerechnet.

Mein Kollege, der natürlich die Geschicke von Roda noch intensiv verfolgt, war genauso vom Spielgeschehen enttäuscht, wie ich. Die Heimmannschaft agierte fast ausschließlich mit langen Bällen (nochmals zur Erinnerung: Wir waren in den Niederlanden unterwegs), es fand kaum ein gepflegtes Mittelfeld-Passspiel statt, Torchancen blieben Mangelware. Einzig der SC Heerenveen hatte kurz vor Ende der 1. Halbzeit eine Mini-Chance.

Zu erwähnen sei allerdings die Schweigeminute vor dem Spiel für Johan Cruyff. Man konnte die berühmte Stecknadel fallen hören, so still war es. Ein absoluter Indikator dafür, dass die europäische Fußballikone und WM-Finalist von 1974, für die geographisch kleine Nation Niederlande, etwas ganz Besonderes darstellte. Dieser Eindruck wurde bestätigt, als in der 14. Minute (Cruyff trug die Rückennummer 14) beide Mannschaften das Spielen einstellten, die Zuschauer sich erhoben und eine Minute lang applaudierten.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Spielgeschehen kaum. In der 51. Minute ging Heerenveen durch einen Kopfballtreffer mit 0:1 in Führung. Roda Kerkade versuchte nun, vor allem über die linke Offensivseite, mehr Druck auszuüben. Ihnen gelang sogar durch Tom van Hyfte der Ausgleich. Doch in der Nachspielzeit verwandelte van den Boomen einen sehenswerten Freistoß zum 1:2 Sieg. Danach wurde der müde Kick vom FIFA Schiedsrichter Kuipers beendet.

Fazit:
Das Spiel fand auf ganz schwachem Niveau statt und die 15.000 Zuschauer machten nur vor dem Spiel und ganz selten Stimmung (was man bei dieser Fußballkost auch verstehen kann). Das Parkstad-Limburg Stadion hingegen war die Reise absolut wert. Vielleicht wird man beim nächsten Besuch auch fußballerisch belohnt.

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