Stadion Ilie Oana, Ploiesti - Panorama

Pokalfinale in Rumänien und ein Roadtrip durch Siebenbürgen

Verwirrung um den Austragungsort: Bukarest oder Ploiești?

Einmal ein Pokalfinale zu erleben war schon immer eine unserer Ambitionen als Groundhopper gewesen. Den großen Moment der Pokalübergabe, die glitzernden Konfetti in der Luft, das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die ganz großen Stars am Ziel ihrer Träume. Jahr für Jahr bewerben wir uns auf Tickets für Champions League und Europa League Finale, den europäischen Supercup oder auch für EM oder WM Finale. Doch bisher ist uns das Glück immer verwehrt geblieben.

Bis mich in diesem Jahr ein Freund, der ursprünglich aus Siebenbürgen in Rumänien stammt, ansprach und die Idee hatte zum rumänischen Pokalfinale nach Bukarest zu fliegen. Diese Gelegenheit wollten wir nutzen und den Stadionbesuch in der Arena Națională mit einem einwöchigen Roadtrip durch Rumänien zu verbinden. Schließlich flogen wir Ende Mai insgesamt zu viert in die rumänische Hauptstadt. Doch es kam alles anders als wir dachten…

Jürgen, der die komplette Reise für uns von vorne bis hinten hervorragend durchorganisierte, stand schon seit Monaten bzgl. Tickets in Kontakt mit einem Mitarbeiter des rumänischen Fußballverbandes. Lediglich eine Woche vor Ansetzung des Finalspiels benachrichtigte dieser uns darüber, dass das Match nicht wie geplant in der Arena Național in Bukarest, sondern im Ilie Oană Stadion im ca. 60km entfernten Ploiești stattfinden würde. Die Heimstätte des rumänischen Viertligisten (!) Petrolul Ploiești fasst gerade einmal 15.000 Zuschauer. Der Grund für diese Entscheidung lag wohl darin, dass keines der großen Teams aus Bukarest am Finale beteiligt war, sondern die Entscheidung zwischen den zwei unpopulären Mannschaften FC Voluntari und Astra Giurgiu ausgetragen wurde.

Christoph Daum und eine Menge Freibier

Da die 230.000 Einwohner große Stadt Ploiești auf unserer Route lag, verließen wir Bukarest einen Tag früher als geplant. Das Pokalspektakel uns zweier unbekannter Mannschaften in einer Stadt von der (jedenfalls drei von uns) noch nie etwas gehört hatten wollten wir uns nicht entgehen lassen. Jürgen hatte schließlich VIP Tickets gebucht!

Stadionul Ilie Oană, Ploiești - Siegerehrung

Es war nicht ganz so leicht das kleine, aber relativ moderne Ilie Oană Stadion ausfindig zu machen. Eingebettet von Häusern inmitten eines verschlafenen Wohngebietes war nur an den Polizisten und Straßensperren zu erkennen, dass in der Nähe ein (Groß-)Event stattfinden musste.

An der Arena angelangt, riefen wir unseren Kontakt vom rumänischen Verband an, der uns zum VIP-Ticketschalter brachte, wo unsere Tickets hinterlegt waren. Ihm war es extrem unangenehm, dass wir „extra“ aus Deutschland angereist waren und aufgrund der kurzfristigen Spielverlegung unsere Reise umplanen mussten. Zusätzlich zu einer Entschuldigung bekamen wir tatsächlich alle vier die VIP Tickets vom rumänischen Verband geschenkt.

Nachdem wir uns am Buffet bedient und die ersten Bier getrunken hatten, kamen wir mit dem neuen Sportdirektor von Dinamo Bukarest ins Gespräch. Wir versuchten ihn zu überreden seinen besten Nachwuchsspieler an den 1. FC Köln und nicht wie von ihm geplant irgendwann an Bayer Leverkusen zu verkaufen. Nach den gescheiterten Verhandlungen begaben wir uns zu den Plätzen auf der Haupttribüne. Schräg über uns nahm Christoph Daum, der aktuelle Nationaltrainer von Rumänien, seinen Platz ein während wir ein Freibier nach dem anderen serviert bekamen.

Entscheidung im Elfmeterschießen

Die favorisierten Astra Giurgiu (immerhin Europa League Teilnehmer) dominierten das Spiel und gingen in der 1. Halbzeit verdient mit 1:0 in Führung. Zu unserer Freude glich FC Voluntari durch einen Elfmeter in der 84. Minute aus und wir kamen während der Verlängerung eine weitere halbe Stunde in den Genuss von alkoholischen Kaltgetränken.

Bis zur 120. Minute passierte auf dem Rasen nicht mehr viel. Auch Versuche unsererseits ein Foto zusammen mit Christoph Daum zu schießen, missglückten. Dafür bekamen wir sportlich das volle Programm: Elfmeterschießen!

Tatsächlich schaffte es der Außenseiter FC Voluntari das Roulette vom Elfmeterpunkt für sich zu entscheiden und gewann das erste Mal in seiner Vereinsgeschichte den rumänischen Pokal, ohne im Finale ein Tor aus dem Spiel heraus geschossen zu haben.

Zur Pokalübergabe gelangten wir direkt an den Spielfeldrand des Ilie Oană Stadions. Wir drehten Videos vom Konfetti, das aus dem Abendhimmel von Ploiești auf die jubelnden Spieler herabregnete. Und ob nun Messi, Ronaldo oder irgendein rumänischer Profispieler die silberne Trophäe in die Höhe streckte, war uns in diesem Moment total egal. Wir hatten endlich unser erstes Pokalfinale gesehen und nebenbei noch eine Menge Spaß gehabt.

Siebenbürgen und ein Zweitligaspiel in Brasov

Am nächsten Tag ging unser Roadtrip weiter. Über das Bucegi-Gebirge am östlichen Rand der Südkarpaten, am Peles und Dracula Schloss vorbei, kamen wir zwei Tage später nach Brasov (Kronstadt). Wein trinken in den wunderschönen Gassen der Altstadt, Steak essen im „Reataurant Keller“ – und ein Fußballspiel im örtlichen Stadionul Tineretului durfte natürlich auch nicht fehlen.

Stadionul Tineretului, Brașov

Das Zweitligaspiel zwischen dem FC Brasov und CS Luceafarul Oradea entbehrt jeglicher Erwähnung. Das Stadion mit seinen angeschlagenen Sitzschalen, dem Blick auf die Berge sowie einem nie fertiggestellten Hochhausgerippe entführte uns jedoch für 90 Minuten in die Zeiten des tiefsten Kommunismus. Ein charakteristisches Highlight für Groundhopper und Fußballromantiker.

In den Tagen darauf fuhren wir weiter durch die faszinierende Landschaft von Siebenbürgen, lernten Jürgens Heimatdorf kennen, gingen wandern und beendeten unsere ereignisreiche Reise im schönen Sibiu (Hermannstadt). Auch ohne Stadionbesuch ein Highlight und toller Abschluss unserer Reise.

Landschaft in Siebenbürgen, Rumänien

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