Fritz Walter Stadion - Betzenberg, Kaiserslautern

Groundhopping Südwest: Betzenberg und Wildparkstadion

Zwei Traditionsstadien, vier Traditionsteams: Eine Reise in den Südwesten

Fritz Walter Stadion (Betzenberg): 1.FC Kaiserslautern – VfB Stuttgart 0:1

Es ist das Ende der Saison 1998/99: Der 1. FC Kaiserslautern krönt eine herausragende Saison. Deutscher Fußballmeister …und das als Aufsteiger! Ein nie zuvor dagewesenes Fußballmärchen wird Realität. König Otto feiert die Meisterschaft mit seinen „roten Teufeln“ im heimischen Stadion. Eine Stadterhebung im Südwesten der Republik wird in diesen Stunden zum Pilgermekka für alle pfälzischen Fußballfans: Der Betzenberg bebt!

Das Kultstadion, offiziell Fritz-Walter-Stadion genannt, stand schon lange auf unserer Groundhopping-Liste der noch nicht besuchten deutschen Stadien. Auch wir wollten das Beben des Betze erleben!

Florian, der mit dem Zug aus München anreiste, und ich (aus dem Rheinland ist man mit dem Auto in knapp zwei Stunden in Kaiserslautern) hatten den Groundhopping-Trip schon länger geplant. Welche Partie hätte man sich auf dem legendären Betze wünschen können? Einen Klassiker gegen den Absteiger und Traditionsverein VfB Stuttgart! (Die beiden Anhängergruppen verbindet im übrigen eine lange Fanfreundschaft.)

Nach unserer Ankunft im City Hotel, das von der Ausstattung in den 60ern stehen geblieben aber völlig in Ordnung ist (optimale Innenstadt-Lage und mit 80 Euro für das DZ ein guter Preis), gingen wir direkt Richtung Betzenberg.

Vom City Hotel aus durch den Hauptbahnhof, an dem sich schon einige Lauterer und VfB-Fans versammelten, waren es nur knapp 15 Gehminuten bis zum Fritz-Walter-Stadion. Wie stellt man sich den Betzenberg vor? Ist es wirklich ein Berg mitten in der Stadt? Ja! Berg ist vielleicht übertrieben aber eine Anhöhe ist es auf jeden Fall. Und ganz oben thront das Stadion der roten Teufel. Von weitem schon ein absoluter Blickfang! Dabei stören auch nicht die Hochhäuser, die rund um den Betze gebaut wurden.

Wir stiefelten also durch die Gassen mitten an Häuserfronten vorbei Richtung Stadion. Der letze Anstieg, eine kurze aber steil gemauerte Treppe durch das Laub, forderte unsere nicht mehr ganz so ausgeprägte Kondition. Dafür war der Blick, den wir nun oben direkt am Stadion hatten, umso gigantischer. Wir sahen einen architektonisch äußerst interessanten „Kasten“ –  für die Heim-WM 2006 umgebaut – der eine gewisse Ähnlichkeit zu englischen Stadien aufweist. Alleine die geographische Lage, mitten in einer Stadt gelegen, kann eine Parallele zu vielen  „Insel-Stadien“ nicht leugnen.

Fritz-Walter-Stadion - Westkurve, Kaiserslautern

Nach einem kurzen Rundgang und ein paar Schnappschüssen, wollten wir unbedingt das Stadion von innen sehen. Auf perfekten Plätzen auf der Nordtribüne und bei strahlendblauem Himmel (das Fritz-Walter-Wetter sollte uns einen Tag später ereilen), begann das Spiel der beiden Mannschaften mit viel Tradition aber auch jeder Menge Probleme. Der VfB, bei dem nach dem Aus von Jos Luhukay der Ex-Kölner Olaf Janßen an der Linie seine Mannen coachte, überzeugte in puncto Spielanlage und technischer Finesse. Die roten Teufel traten mehr durch hektische Aktionen und planlose Angriffsbemühungen in Erscheinung. Dies konnte auch nicht der wild gestikulierender oberste Teufel Tayfun Korkut ändern. So war es für uns auch nicht verwunderlich, dass der schwäbische Gästeblock lautstärker sang, pfiff und seine Truppe anfeuerte. Von der aus den 90er Jahren bekannten Angst der Bundesligamannschaften vor einem Auswärtsspiel auf dem Betzenberg war an diesem Tag nicht viel zu spüren.

Das Stadion war ein absolutes Highlight und die Choreo der beiden Fanlager absolut Bundesliga-würdig. Die Heimfans waren hingegen etwas zurückhaltender als man es aus erfolgreicheren Zeiten gewohnt war. Nachvollziehbar, wenn man sich die Entwicklung des FCK im letzten Jahrzehnt anschaut. Das Spiel gewann letztlich der VfB durch ein Tor vom ehemaligen Bochumer Simon Terodde in der 52. Minute. Durch den Sieg kann der VfB durchatmen, die Lauterer hingegen stürzen trotz des frühen Zeitpunktes der Saison immer weiter in die Krise.

Fazit: Ein wirklich perfektes Fußballstadion, was zu den Eindrucksvollsten in Deutschland gehört. Auch wenn die sportlichen Glanzleistungen in der Vergangenheit liegen, macht der Betzenberg eine Fahrt in den Südwesten immer lohnenswert.

Wenn man schon einmal in der Gegend ist, sollte man auf jeden Fall auch typisch pfälzisch essen. Unsere Restaurantauswahl auf das Spinnrädl. Hier wurden wir kulinarisch nicht enttäuscht. Deftiges Essen, regionale Weine: Ein optimaler Ausklang in der Pfalz!

Wildparkstadion: Karlsruher SC – FC St. Pauli 1:1

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen Frühstück auf nach Karlsruhe. Die Autofahrt war recht entspannt und dauerte nicht länger als eine gute Stunde. Unser direktes Ziel lautete: Wildparkstadion! Ebenfalls ein wahrlich traditionsreiches Stadion, was aber im Gegensatz zum Betze im Laufe der Zeit nicht wirklich modernisiert wurde. 30 Meter Abstand zwischen Tribüne und Spielfeld, Eine Haupttribühne, die architektonisch nicht zum Rest des Stadions passt, die Kurven des Stadions nicht überdacht, überdimensionale Flutlichtmasten, kleine Beschallungsboxen auf der ehemaligen Tartanbahn, aus denen fast nichts zu verstehen ist… Dies ist aber keineswegs abwertend gemeint, das es in der vom Geld besessenen Fußballblase etwas Nostalgisches hat. Aber Achtung: Auch der KSC baut in den nächsten Jahren einen neuen Fußballtempel. Fußballromantiker, nichts wie los in den Wildpark!

Wildparkstadion, Karlsruhe

Kurz vor dem Anpfiff sahen wir den Mannschaften des KSC und des FC St. Pauli beim Aufwärmen zu. Ein bisschen schwelgten wir in Erinnerungen an die glorreichen Zeiten der Badener. Icke Häßler, Oli Kahn, Tanne Tarnat, Mehmet Scholl und viele weitere Stars gaben sich in jungen Jahren auf dem saftigen Grün des Wildparkstadions die Klinke in die Hand. Unvergessen sind „Euro-Eddy“ und das Wunder vom Wildpark, als im November 1993 die Truppe um Winnie Schäfer den FC Valencia mit 7:0 besiegte und somit ins Achtelfinale des UEFA-Pokals einzog. Nostalgie pur!

Das Spiel war eher weniger nostalgisch: Durch den Regen und das daraus resultierende schwierige Geläuf, boten beide Mannschaften eher technische Magerkost. Nach einer halben Stunde brachte Bouhaddouz die Gäste aus Hamburg mit 1:0 in Führung. Das störte die KSC-Fans nur kurz, sie machten in ihrem Block wirklich durchgehend ordentliche Stimmung. Kompliment an die Blau-Weißen! Nach dem Pausentee erhöhte der KSC den Druck und der griechische Stürmer Diamantakos netzte in der 57. Minute ins Gehäuse der Paulianer. Dies sollte auch der Endstand beider Traditionsmannschaften sein. Mit diesem Ergebnis festigten sowohl die Badener als auch die Norddeutschen ihren Platz im unteren Tabellenmittelfeld der zweiten Liga.

Zwei (ganz unterschiedliche) deutsche Traditionsstadien, die man auf jeden Fall als Groundhopper gesehen haben sollte. Der Fokus der Reise lag auf dem Betze aber auch der Wildpark konnte durch seinen ganz eigenen Charme durchaus überzeugen. Auch wenn wir fußballerisch während dieser beiden Tage auf Diät gesetzt wurden, haben wir doch vier Traditionsmannschaften auf einen Schlag gesehen und wurden immerhin auf dieser Ebene fußball-kulinarisch verwöhnt.

 

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